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Start Das Waldhorn Transponieren

Das Transponieren

Transponieren bedeutet, einen Ton, eine Tonfolge oder ein ganzes Musikstück in eine entweder höhere oder tiefere Lage und damit in eine andere Tonart zu versetzen.

Es ist zwar keine Kunst, vor allem dann nicht, wenn es schriftlich und in Ruhe geschehen kann; es erfordert aber eine ganz beträchtliche Fertigkeit, wenn es während des Musizierens durch Umlesen, verbunden mit(innerlich zu hörendem) Umdenken, erfolgen muss.

Gerade vor diese unerlässliche Notwendigkeit sieht sich jedoch der Hornist in der heutigen Orchesterpraxis ständig gestellt. Überdies hat er sich bei jedem Stimmungswechsel auch noch schnell und wendig auf dasjenige Intervall umzustellen, um das es eben gerade zu transponieren gilt.

Bis zur Erfindung der Ventile brauchte sich der Naturhornist von ehedem um all dies nicht zu kümmern. Diese Tätigkeit besorgte sich durch die Stimmungsgleichheit des Horns mit der Tonart der Musik gewissermassen von selbst. Bei den späteren Inventionshörnern tat es ebenso wirksam der richtig ausgewählte Inventions(Einschub-)Bogen.

Abgesehen von dem zwangläufig nach der absoluten Tonhöhe einzustellenden Grad der Lippenspannung und selbstverständlich auch von allen anderen rhythmischen wie musikalischen Unterschiedlichkeiten, war es für den Bläser von damals völlig gleichgültig, ob er zum Beispiel die drei Anfangstöne der Oberon Ouvertüre von Weber oder die drei ersten Töne von Schuberts C-Dur Sinfonie zu lesen hatte. Für ihn waren es in beiden Fällen die gleichen achten, neunten und zehnten Naturtöne der Partialtonreihe, die er allerdings auf einem Horn in D beziehungsweise auf einem in (tief) C blasen musste. Der sich dabei ergebende Klang war jedoch, dem jeweils gewählten Instrument entsprechend, entweder eine Septime oder eine Oktave tiefer als notiert.

Für jeden, der sich den tatsächlichen Klang der Hörner nach der Notation in der Partitur oder nach der Hornstimme vorstellen will oder auf dem Klavier angeben möchte, ist es natürlich umgekehrt. Er muss die Note gleich so lesen, wie sie wirlich klingen sollte. Er muss eben transponieren.

Das Neue macht es schwerer

Nach der Erfindung der Ventile wurde für die Hornisten ein derart kompliziertes Notenlesen gleichfalls zwingende Notwendigkeit. Statt der verschiedenen Hörner in unterschiedlichen Stimmungen oder eines Inventionshorns mit den jeder Stimmung entsprechenden Inventionsbögen, die für ihn quasi automatisch transponierten, sollte er nun alles auf einem einzigen, einem chromatisch gewordenen "Maschinen"-Horn in einer mittleren, in der zur Norm erhobenen F-Stimmung blasen. Nur wenn eine Stimme für "Horn in F" zu blasen bekam, konnte alles beim alten bleiben. Er hatte aber mit seinem neuen Ventilhorn auch noch aus all den anderen, älteren Stimmen zu musizieren, und die waren natürlich nach wie vor in den verschiedenen Stimmungen notiert. Waren sie für Hörner in E, Es, D, Des, tief C, H oder B geschrieben, so musste er seine Noten um die jeweilige Differenz zu seiner F-Stimmung nach unten transponieren, sie also um eine kleine Sekunde bis zu einer Quinte tiefer lesen. Die Noten, die in über seiner F-Horn-Stimmung liegenden Stimmungen, wie in G, hoch-A, hoch B usw. geschrieben waren, musste er dementsprechend nach oben versetzen.

Das war für ihn eine ganz neue, bisher noch nicht erlebte Erschwernis. Es wurde sogar noch komplizierter, als es unumgänglich wurde, statt des tiefen F-Horns das höhere B-Horn oder ein beide Stimmungen vereinigendes Doppelhorn (F/B) oder (B/F) zu benutzen. Über die Fülle von Griffmöglichkeiten, die sich daraus ergaben, soll in einem anderen Kapitel ausführlicher berichtet werden. Die F-Stimmungsbezogneheit im Notenlesen blieb jedoch erhalten. Für die Verständigung zwischen Hornisten und Dirigenten oder anderen Musikern ist es trotzdem unerlässlich zu wissen, ob man von der Notation oder vom Klang spricht.

Man sollte annehmen, dass die Ventile auch eine vereinfachende Normierung der Notation für die Hornisten und alle die, die sich mit Hornstimmen zu befassen haben, mit sich gebracht hätten. Das war aber nicht der Fall. Selbst so routinierte Praktiker wie Richard Wagner oder Giuseppe Verdi schrieben gelegentlich und eigentlich ohne jeden ersichtlichen Grund noch Hornstellen, die vom Blatt zu transponieren manchmal einige Gehirnakrobatik erfordern (z.B. Don Carlos, Einleitung von G. Verdi, Lohengrin 2. Akt, 3. Szene von R. Wagner)

Dagegen findet die in Amerika ab und zu geübte Praxis, Hornstimmen der Klassik grundsätzlich in "F" zu drucken, bei den traditionsbewussten Bläsern Europas auch nicht immer die erwartete Zustimmung. Moderne Komponisten sollten aber tunlichstdie schon im Jahre 1905 von Richard Strauss in der Neubearbeitung der berühmten Instrumentationslehre von Hector Berlioz gegebene Empfehlung beherzigen. Es wird darin geraten, Hornstimmen möglichst stets in F zu schreiben und lediglich, nur um bei einigen (klingenden) Kreuztonarten ein Übermass an Vorzeichen zu vermeiden, als vernünftiger Kompromiss in die E-Stimmungs-Notation auszuweichen.

Aus: Das Horn / Hallwagverlag
ISBN 3 444 10213 5

 

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12. Internationales Hornfestival Sarnen

30. Mai 2019 - 02. Juni 2019

Radovan Vlatkovic und Richard Watkins werden auch bei der 12. Ausgabe mit dabei sein!