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Start Das Waldhorn Geschichte des Waldhorns

Die Geschichte des Waldhorns

Wann der erste Hornton erklang, läßt sich nicht genau sagen, vermutlich muß es in grauer Vorzeit im Orient geschehen sein.


1. Urgeschichte

Es gab verschiedene Möglichkeiten, z.B. auf einer Muschel, einem Schneckengehäuse oder auf einem Röhrenknochen eines toten oder erlegten Tieres einen Ton hervorzubringen.

Natürlich taten das die Ureinwohner nicht bewußt, vielleicht wollten sie aus einer Muschel den noch verbleibenden Sand pusten. Wenn er es mit angespannten Lippen und etwa in der Art und Weise tat, die moderne Bläser noch heute “Ansatz“ nennen, dann müssen seine Lippen - Ihm ganz unbewußt - wie schwingungserregende Lamellen wirkend, die gleichen Schwingungen auf die vom Rohr umschlossene Luftsäule übertragen haben. Nach den seit eh und je gültigen physikalisch - akustischen Naturgesetzen mußte dadurch ein Ton entstehen ,der in seiner Höhe oder Tiefe, Klangfarbe und Klangintensität sowohl von der Länge und Form der Röhre, als auch von der Lippenspannung und Lungenkraft abhängig war. So enstand die Geburt unseres Horns.

2. Erster kultischer Gebrauch.

Der erste Kultische Gebrauch geht ungefähr auf 1500-2000 v.Chr. zurück. Zum Beispiel Kuhhornbläser aus Afrika, Muschelhornbläser aus Neuguinea usw. Das Altjüdische Schofar ist bereits aus der Bibel bekannt. Es hat einen unwiderstehlichen, mauerbrechender Posaunenton. Es wird heute noch bei jüdischen Ritualen verwendet. In Italien brachten die Etrusker Ihr Terrakottahorn in die Kultur ein. Diese Hörner wurden als Signal und Kriegsrufinstrument verwendet.

Im Norden kamen die sogenannten Luren auf. Diese Luren waren für diese Zeit erstaunlich gefertigt. Sie wurden zu dünnwandigen konischen Teilen aus Bronze gegossen und zusammengesetzt. Die Handwerkliche Technik, solch dünnwandige und konisch verlaufende Instrumentenrohre aus Metall zu formen oder zu gießen ging in den Wirren der Völkerwanderung verloren. Sie mußte im Mittelalter erst wieder erfunden und mühsam nachvollzogen werden.

3. Der Olifant

Der Olifant ist aus einem Stoßzahn vom Elefanten gefertigt. Solch ein Qlifant schenkte Kalif Harun al Raschid Karl dem Grossen. Diese Hörner waren oft sehr wertvoll, und es gibt auch verschiedene Sagen um diese Hörner.

4. Signalhörner

Die Hörner wurden in Städten und Dörfer als Signalinstrumente von Nachtwächtern, Feuerwärter, Turmbläser, Hirten und Bäcker benutzt. Damals war auch der Beginn der Postillione. Die Hörner waren meistens aus Rinderhörner gemacht. Reichere Städte gaben Ihren Bläsern auch Hörner aus Bronze.

5. Hirtenhörner und das Alphorn.

(ca.1555) Hörner aus Holz waren damals denjenigen aus Metall schon um einiges voraus. Da im mitteleuropäischen Kulturraum an die Herstellung dünnwandiger, überwiegend konisch verlaufenden Metallrohre nicht zu denken war, entwickelte ein Handwerklich begabter Hirte ein Horn aus Holz.

So enstand das Alphorn, das Büchel und verschieden lange Hirtenhörner. Die Instrumente wurden vorwiegend aus an Hanglagen gewachsenen Tannen hergestellt. Verschiedene berühmte Komponisten brachten Motive aus dieser Zeit in Ihre Kompositionen ein. Zum Beispiel Johannes Brahms in seiner 1.Sinfonie mit dem Thema im letzten Satz. “Also blus das Alphorn heut.“

6. Jagdhörner.

Die Jagdhörner wurden um 1650 in Frankreich zur Jagd eingesetzt. Die grossgewundenen Hörner wurden auf dem Pferd, um den Körper des Jägers, getragen. Damit entstand der Name Tromp de Chasse. Später wurden die Hörner mit mehreren Windungen gebaut. (so wurden sie auch handlicher). Diese Hörner leiteten den eigentlichen Wendepunkt in der Geschichte ein. Die Mensur wurde immer konischer, während die erst gegen Schluß des Rohres konisch verlaufenden Instrumente sich zur heutigen Trompete und Posaune entwickelten. Graf Franz Anton von Sporck brachte das Tromp de chasse nach Böhmen, wo es sich sehr schnell durchsetzte.

7. Vom Naturhorn zum Inventionshorn(Stopfhorn).

Durch die Haltung des Horns wurde auch der Klang immer weicher. Auch beim Mundstück wurde ein mehr trichterförmiges Metallstück verwendet, bei den Trompeten und Posaunen ist es ein Mundstück in Kesselform. Anton Joseph Hampel(1703-1771)erfand das sogenannte stopfen. Da auf dem Naturhorn nur die Naturtonreihe zu spielen war, konnte man das Instrument nur bedingt einsetzen.

So fand Hampel heraus, das durch verschließen der Stürze(der fließende Übergang des Rohres zum Becher)das Horn sich um einen halben Ton erhöht. Somit war es nun möglich, mit halb - oder ganz gestopften Tönen auf dem Horn eine chromatische Tonleiter zu spielen. Durch auswechseln verschieden langer Bögen beim Rohranfang lies sich auch die Grundstimmung verändern. (z.B. Horn in Es, in D, C, Des E usw.)

Aus diesem Grunde müssen auch die heutigen Hornisten, die das gebräuchliche Doppelhorn in der Stimmung F/B blasen noch immer Transponieren, d.h. Horn in Es, 1 Ton tiefer, Horn in H basso 3 ½ Töne tiefer, Horn in A, 2 Töne höher usw. Die Hornisten müssen während dem spielen die Stimme transponieren. Im Unterricht nimmt das transponieren einen wichtigen Platz ein. Auch heute noch gilt Hampel als “Erfinder“ des Waldhorns. Aus Hörtechnischen Gründen hat es keinen Sinn, alle Stimmen schon transponiert zu drucken, da sich auch die Intonation in den verschiedenen Stimmungen ändert und die Bläser Schwierigkeiten mit dem treffen der Töne und dem richtigen voraushören der Töne Mühe haben.

So wurden alle Kompositionen der Vorklassik, Mannheimer Schule, Wiener Klassik bis zur deutschen Romantik auf diesen Inventionshörner oder eben Waldhörner geblasen. Damals enstanden auch etliche Solokonzerte und Sonaten für das Waldhorn,u.a.4 Hornkonzerte von Mozart,2 Konzerte von Haydn, und eine Sonate von Beethoven um nur Einige zu nennen.

8. Erfindung der Ventile.

Heinrich Stöltzel lies nach langer Entwicklung am 12.April 1818 seine ersten 2 Ventile patentieren. So war es möglich. durch drücken des ersten Ventils das Horn um einen Ton tiefer, beim drücken des 2 Ventils um einen halben Ton tiefer zu machen. Für den Instrumentenmacher A. F. Sattler in Leipzig war es dann ein naheliegender Schritt, einen dritten Ventilzug hinzuzufügen der eine weitere Vertiefung von 1 1/2 Tonschritt bewirkte.

Dies geschah im Jahre 1819.Damit war auch die Ausfüllung der noch übrigen Quart - und Quint - Lücken ermöglicht und dem Horn, durch einfaches hinzuschalten verschiedener Rohrverlängerungen, der chromatisch voll nutzbare Umfang von über drei Oktaven gegeben.

Das Ventilhorn konnte sich aber noch nicht durchsetzen. Probleme mit transponieren, technische Schwierigkeiten usw. erschwerten den Durchbruch .Erst bei Wagner wurde das Ventilhorn voll eingesetzt und auch anerkannt.

Heute benutzen die Hornistinnen und Hornisten meistens ein Doppelhorn in den Stimmungen F/B. Das B - Horn ist kürzer als das F - Horn. Damit lassen sich die höheren Töne leichter blasen und das Risiko des“ kicksens“ verkleinert sich.

Lukas Christinat

 

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12. Internationales Hornfestival Sarnen

30. Mai 2019 - 02. Juni 2019

Radovan Vlatkovic und Richard Watkins werden auch bei der 12. Ausgabe mit dabei sein!